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Das Jenseits – Was passiert nach dem Tod?

Mit dem Tod trennt sich die unsterbliche Seele vom vergänglichen Körper. Die Seele erfährt eine persönliche Begegnung mit Christus, in der ihr Leben im Licht der Wahrheit ergründet und beurteilt wird.

Dies nennt man das Partikulargericht. Hierbei entscheidet sich das weitere Schicksal der Seele; es existieren drei Möglichkeiten:

 

 

Himmel

 

Unmittelbare und ewige Gemeinschaft mit Gott, den anderen Erlösten und den Engeln für jene, die in der Gnade Gottes sterben und vollkommen rein sind.

Während der Mensch Gott auf Erden nur durch den „Spiegel“ des Glaubens und der Schöpfung erkennt, wird er ihn im Himmel „von Angesicht zu Angesicht“ schauen. Diese Schau ist kein statisches Betrachten, sondern ein dynamisches Eintreten in den unendlichen Liebesstrom des dreifaltigen Gottes.

 

Der Mensch wird in Gott hineingenommen, ohne seine eigene Identität zu verlieren; er wird vergöttlicht durch die Gnade, bleibt aber Geschöpf (der Mensch wird also nicht selbst Gott oder Teil des Wesens Gottes).

 

Diese Vereinigung ist die Antwort auf die tiefste Sehnsucht des menschlichen Herzens, die im irdischen Leben niemals vollständig gesättigt werden kann. In der Gegenwart Gottes erreicht die menschliche Vernunft ihre höchste Klarheit und der Wille seine vollkommene Ruhe in der Liebe.

 

Diese übernatürliche Glückseligkeit ist zudem eine tiefe Gemeinschaft mit der gesamten „triumphierenden Kirche“. Der Himmel ist kein Ort für isolierte Individuen, sondern das Festmahl des Reiches Gottes. In dieser Gemeinschaft herrscht eine vollkommene Harmonie zwischen den Erlösten.

 

Die Liebe zu Gott weitet das Herz so sehr, dass auch die Liebe zu den Mitmenschen – den Heiligen, den Engeln und besonders der Jungfrau Maria – eine Intensität erreicht, die auf Erden unvorstellbar ist. Es gibt keinen Neid, keinen Stolz und keine Missgunst mehr; jeder freut sich an der Herrlichkeit des anderen.

 

Die Schmerzen der Vergangenheit, die Tränen und die Todesangst sind endgültig überwunden, wie es die Offenbarung des Johannes beschreibt: „Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen.“

Diese Freude ist nicht nur eine psychologische Erleichterung, sondern eine ontologische Neuschöpfung, in der alles Leid einen Sinn findet und in ewigen Lobpreis verwandelt wird.

 

 

Fegefeuer

 

Ein Zustand der Läuterung für jene, die in der Gnade Gottes sterben, aber noch von lässlichen Sünden oder zeitlichen Sündenstrafen belastet sind. Das Fegefeuer ist zeitlich begrenzt und führt letztendlich immer in den Himmel.

 

Es ist kein „dritter Ort“ neben Himmel und Hölle, sondern die Vorhalle des Himmels. Alle, die im Fegefeuer sind, gehören bereits zu den Erlösten; sie sind sicher, Gott eines Tages zu schauen. Doch da Gott die absolute Heiligkeit ist, kann nichts Unreines in seine Gegenwart treten.

 

Viele Menschen sterben zwar in der Gnade Gottes, sind aber innerlich noch von den Folgen ihrer Sünden gezeichnet, haben ungeordnete Anhänglichkeiten oder haben für ihre Sünden noch keine ausreichende Sühne geleistet.

 

Das Fegefeuer ist der Prozess, in dem diese „Schlacke“ der Seele durch das Feuer der göttlichen Liebe weggebrannt wird, damit die Seele fähig wird, die volle Herrlichkeit Gottes zu ertragen.

Im Fegefeuer ist das „Feuer“ die schmerzliche Sehnsucht und die läuternde Kraft der Liebe Gottes. Das Fegefeuer darf nicht mit dem Höllenfeuer verwechselt werden.

 

Das Fegefeuer ist ein reinigendes Feuer, in der Hölle hingegen ist es ein strafendes Feuer. Manche Theologen sagen, dass das Feuer die Liebe Gottes ist, die von der Seele entweder reinigend empfunden wird oder aufgrund der Abwendung von Gott als strafend.

 

Der Zustand der Reinigung ist mit Schmerzen verbunden, die jedoch fundamental anderer Natur sind als die Qualen der Hölle. Es ist ein „Sehnsuchtsschmerz“. Die Seele sieht nach dem Tod Gott im sogenannten Partikulargericht und erkennt seine unendliche Schönheit. Gleichzeitig sieht sie ihre eigenen Makel und spürt den brennenden Wunsch, sich zu reinigen, um sich Gott ganz schenken zu können.

 

Dieser Schmerz ist also ein heilender Schmerz, vergleichbar mit einer Wunde, die beim Heilen brennt, oder mit einem Auge, das nach langer Dunkelheit mühsam an das helle Licht gewöhnt werden muss.

 

Das Fegefeuer ist ein Akt der göttlichen Gerechtigkeit, die alles wieder in Ordnung bringt, aber zugleich ein Akt höchster Barmherzigkeit, da Gott dem Menschen die Möglichkeit gibt, auch nach einem unvollkommenen Leben noch ganz heilig zu werden.

 

Ein wesentlicher Aspekt der katholischen Lehre ist die Hilfe, die wir den „Armen Seelen“ im Fegefeuer leisten können. Durch das Dogma der Gemeinschaft der Heiligen sind wir mit den Verstorbenen verbunden.

 

Unsere Gebete, Opfer, Almosen und insbesondere das heilige Messopfer können die Zeit oder die Intensität ihrer Reinigung abkürzen. Dies ist ein Ausdruck der christlichen Nächstenliebe, die über das Grab hinausreicht. Wenn die Reinigung abgeschlossen ist, tritt die Seele unmittelbar in die selige Schau des Himmels ein.

 

Das Fegefeuer zeigt somit, dass Gott den Menschen ernst nimmt: Er vergibt zwar die Schuld der Sünde durch Christus, aber er möchte, dass der Mensch auch innerlich ganz wahrhaftig und rein wird. Es ist das „letzte Bad“ der Seele, bevor sie zur himmlischen Hochzeit eintreten darf.

 

 

Hölle

 

Die Lehre von der Hölle ist eine der ernstesten Wahrheiten des katholischen Glaubens, da sie die radikale Konsequenz der menschlichen Freiheit unterstreicht.

 

Die endgültige Selbstausschließung aus der Gemeinschaft mit Gott durch das Verharren in schwerer Sünde bis in den Tod. Diese Abkehr von Gott und seiner Gnade als der Quelle alles Guten bewirkt einen ewigen Zustand schwerster Qualen.Sie ist die logische Folge einer Entscheidung, die Gott bis zum Ende ablehnt.

Da Gott die Liebe selbst ist, bedeutet die freiwillige Trennung von ihm die Entscheidung für die absolute Lieblosigkeit. Die Kirche lehrt unmissverständlich die Existenz der Hölle und ihre Ewigkeit. Wer im Zustand einer oder mehrerer Todsünden stirbt, ohne diese gültig gebeichtet zu haben, geht für ewig verloren. Eine Ausnahme hiervon besteht nur, wenn der Sünder die vollkommene Reue erweckt.

 

Diese Form der Reue entspringt der Liebe zu Gott über alles und stellt die heiligmachende Gnade bereits vor dem Empfang des Sakraments wieder her, sofern sie mit dem festen Vorsatz verbunden ist, die sakramentale Beichte so bald wie möglich nachzuholen. Im Angesicht des Todes reicht diese vollkommene Reue jedoch nur dann zur Rettung aus, wenn keine Gelegenheit mehr bestand, das Sakrament der Buße tatsächlich zu empfangen.

 

Wer die Beichte trotz der Möglichkeit dazu bewusst verweigert oder aufschiebt, besitzt keine vollkommene Reue. Während die bloße Angst vor der Hölle für sich allein nicht ausreicht, bleibt die Reue auch dann vollkommen, wenn neben der Liebe zu Gott noch Anteile der Furcht vorhanden sind – entscheidend ist das Leitmotiv der Liebe zu Gott, den man um seiner selbst willen liebt und dessen Beleidigung man aufrichtig bereut. Die Hölle ist somit der „ewige Tod“, in dem der Mensch zwar existiert, aber von der Quelle alles Lebens und aller Freude abgeschnitten ist.

 

Die Hauptqual der Hölle ist der sogenannte poena damni, der Verlustschmerz. Der Mensch ist von Natur aus auf Gott hin erschaffen; in der Hölle erkennt die Seele mit furchtbarer Klarheit, dass Gott das einzige Ziel war, das sie hätte glücklich machen können.

 

Ihn nun ewig verloren zu haben, erzeugt eine Verzweiflung, die alle irdischen Vorstellungen übersteigt. Hinzu kommt der poena sensus, der Sinnesschmerz, der in der Heiligen Schrift oft mit dem Bild des „unlöschbaren Feuers“ beschrieben wird. Dieses Feuer symbolisiert eine Qual, die das ganze Wesen des Sünders durchdringt.

 

In der Hölle gibt es keine Gemeinschaft, sondern nur absolute Einsamkeit und den kompromisslosen Hass auf sich selbst, auf alle anderen Verdammten und auf Gott und alle die bei ihm sind. Es ist ein Zustand der totalen Sinnlosigkeit, in dem der Stolz des Menschen in ewige Bitterkeit umschlägt.

 

Die Freiheit des Menschen wird hier in ihrer dunkelsten Dimension sichtbar: Die Fähigkeit, „Nein“ zu sagen, führt zur ewigen Isolation.

 

Gottes Barmherzigkeit steht der Existenz der Hölle nicht entgegen; vielmehr respektiert Gott die Entscheidung des Geschöpfes. Er zwingt niemanden in den Himmel, denn eine erzwungene Liebe wäre keine Liebe mehr. Die Hölle ist die Antwort auf die Verweigerung der Reue. Solange der Mensch lebt, bietet Gott ihm immer wieder die Umkehr an.

 

Wer jedoch die barmherzige Hand Gottes bis zum letzten Atemzug zurückweist, fixiert sich selbst in seinem Zustand der Rebellion. Die Lehre von der Hölle dient daher nicht der Erzeugung von Angst, sondern als dringender Ruf zur Wachsamkeit und zur Bekehrung. Sie erinnert daran, dass unser irdisches Handeln eine ewige Relevanz besitzt und dass die Entscheidung für oder gegen die Liebe Gottes endgültige Konsequenzen hat.

 

Der Mensch in der Hölle ist in einem Zustand permanenter Gewalt gefangen – durch die eigenen Vorwürfe, aber eben auch durch die Bosheit der Mitverdammten und der Dämonen. Die Dämonen und der Teufel sind nicht die „Herrscher“ der Hölle im Sinne eines Amtes, sie sind am tiefsten gefallen und leiden die größten Qualen.

 

Ihre „Macht“ in der Hölle äußert sich lediglich in der Bosheit der Peinigung anderer, sie sind grausamsten Mitinsassen. Da in der Hölle jede Liebe fehlt, herrscht dort nur Hass. Es gibt keine Freundschaft, keine Gnade, keine Freude – nichts Positives. Selbst Menschen, die sich auf Erden geliebt haben, empfinden dort nur Hass füreinander.

 

Irdische Beziehungen, die nicht in Gott gegründet waren oder zur Sünde führten, werden in der Hölle zur Quelle besonderer Bitterkeit und gegenseitiger Vorwürfe.

 

In der Hölle gibt es keine Ruhepause, es ist ein Zustand andauernder Qual, der in Ewigkeit fortdauert. Dass Dämonen Menschen dort peinigen, ist Teil der gerechten Strafe: Man verbringt die Ewigkeit mit denen, denen man im Leben gefolgt ist, statt Gott zu folgen.

 

Reicht es, dass man Gott in seinem irdischen leben nicht bewusst ablehnt oder hasst, um nicht in die Hölle zu kommen?

 

Die Sünde aus Bosheit (Ex Malitia)

Dies ist der direkte Weg. Der Sünder richtet seinen Willen explizit gegen Gott oder das Gute an sich. Hierzu gehört der Hass auf Gott, der Neid auf die Gnade anderer oder die bewusste Verleugnung der Wahrheit. Die Abkehr von Gott ist hier das direkte Ziel der Handlung.

 

ABER:

 

Die Sünde aus Unordnung (Conversio ad creaturam)

Dies ist der weitaus häufigere Weg. Der Sünder „hasst“ Gott nicht zwangsläufig, aber er zieht ein endliches, geschaffenes Gut (Lust, Macht, Besitz, Bequemlichkeit) dem unendlichen Gut (Gott) vor. Wer ein geschaffenes Gut wählt und dieses in einer Art und Weise nutzt, von dem er weiß, dass es mit Gottes Freundschaft unvereinbar ist, nimmt die Trennung von Gott als notwendige Folge in Kauf.

Man muss also Gott nicht explizit ablehnen, um Gefahr zu laufen, in die Hölle zu kommen.

 

 

Die Vollendung der Heilsgeschichte

 


Die Auferstehung des Fleisches

 

Am Ende der Zeiten erfolgt das Jüngste Gericht. Dies ist ein Ereignis kosmischen Ausmaßes, bei dem die ganze Schöpfung von Gott gerichtet wird. Die Leiber aller Verstorbenen werden auferweckt und mit ihren Seelen wiedervereint; die ganze Schöpfung wird verwandelt und erneuert werden.

Mit dem Jüngsten Gericht erreicht die Geschichte der Menschheit ihre endgültiges Ziel.

 

Die leibliche Dimension

 

Die bisher rein geistigen Zustände von Himmel oder Hölle werden durch die Wiedervereinigung mit dem Leib (dem verklärten Leib oder dem zur Verdammnis auferstandene Leib) vervollständigt. Der ganze Mensch – nicht mehr nur die Seele – erfährt nun die Konsequenzen seiner irdischen Entscheidung in einer neuen, materiellen und ewigen Wirklichkeit.

 

Das Ende des Fegefeuers

 

Es verbleiben nur noch zwei ewige Realitäten: die vollkommene Gemeinschaft mit Gott oder die endgültige Trennung von ihm. Da das Fegefeuer ein zeitlich begrenzter Ort der Läuterung ist, der nur der Vorbereitung auf die Schau Gottes dient, hört es mit dem Ende der Weltzeit auf zu existieren.

 

Alle Seelen, die der Reinigung bedurften, haben diese abgeschlossen und sind im Himmel und werden ebenso mit dem verklärten Leib an der neuen Schöpfung teilhaben. Das Fegefeuer ist dann „leer“ bzw. existiert dieser Zustand der Läuterung dann nicht mehr.

 

 

Die endgültige Trennung

 

 

Die Erlösten

 

Für die Seelen im Himmel bedeutet dies, dass sie in einem verklärten Leib in einer neuen Schöpfung in der direkten Gegenwart Gottes leben werden. Der körperlose Zustand im Himmel ist somit nicht die letzte Station des Menschen, sondern findet seine Vollendung in der leiblichen Auferstehung.

 

Die vier Gaben des verklärten Leibes

 

 

 

1. Unversehrtheit / Unvergänglichkeit (Impassibilitas)

 

 

Der Leib ist nicht mehr fähig zu leiden, Schmerz zu empfinden oder zu sterben.

 

Beschreibung: Er ist dem Einfluss materieller Zerstörung entzogen. Es gibt kein Altern, keine Krankheit, keinen Hunger und keinen Durst mehr.

 

Grund: Die vollkommene Unterordnung des Leibes unter die Seele, die durch die Gnade Gottes vor jeglichem Übel bewahrt wird.

 

 

 

2. Klarheit / Glanz (Claritas)

 

Der Leib strahlt ein geistiges Licht aus, das die innere Herrlichkeit der Seele widerspiegelt.

 

Beschreibung: Ähnlich wie bei der Verklärung Christi auf dem Berg Tabor leuchtet der Körper. Die Intensität dieses Glanzes entspricht dem Grad der Liebe und der Verdienste, die die Seele im Leben erworben hat.

 

Biblischer Bezug: „Dann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters leuchten wie die Sonne“ (Mt 13,43).

 

 

 

3. Behendigkeit / Leichtigkeit (Agilitas)

 

Die Seele kann den Leib mit unendlicher Geschwindigkeit und ohne Anstrengung bewegen.

 

Beschreibung: Raum und Zeit stellen kein Hindernis mehr für die Bewegung dar. Der Leib folgt dem Willen der Seele augenblicklich an jeden Ort. Die Schwere (Gravitation) und Trägheit der Materie sind überwunden.

 

Technische Realität: Es ist eine geistgewirkte Mobilität, die nicht mehr an biologische Kraftaufwendung gebunden ist.

 

 

 

4. Feinheit / Durchdringlichkeit (Subtilitas)

 

Der Leib ist vollkommen vergeistigt, ohne dabei seine materielle Realität zu verlieren.

 

Beschreibung: Er kann feste Materie durchdringen (wie der auferstandene Christus, der durch verschlossene Türen trat). Er ist nicht mehr an die groben Gesetze der physischen Undurchdringlichkeit gebunden.

 

Abgrenzung: Er ist kein „Gespenst“ oder bloßer Geist; er bleibt wahrhaftiger Körper mit Fleisch und Knochen, aber in einer neuen, höheren Seinsweise.

 

 

 

Weitere Merkmale nach lehramtlicher Auffassung

 

Identität: Es ist derselbe individuelle Leib, den der Mensch auf Erden hatte (Identitas numerica).

 

Vollkommenheit: Es gibt keine körperlichen Mängel oder Verstümmelungen mehr. Theologen wie Thomas von Aquin sind außerdem der Meinung, dass die Auferstandenen in der „Fülle des Alters Christi“ (oft als das ideale Alter von ca. 33 Jahren gedeutet) sein werden. Das Alter ist jedoch eine theologische Meinung und kein Dogma.

 

Integrität der Sinne: Die Sinne (Sehen, Hören etc.) bleiben erhalten, sind aber geschärft und dienen ausschließlich dem Genuss der göttlichen Herrlichkeit.

 

Die Verdammten

 

 

Für die Verdammten bedeutet dies, dass sie in einem unvergänglichen, jedoch zur ewigen Trennung von Gott bestimmten Leib und des damit verbundenen Leidens leben werden. Auch hier ist der körperlose Zustand nach dem Tod in der Hölle somit nicht die letzte Station, sondern findet seine Vollendung in der leiblichen Auferstehung zur ewigen Strafe.

 

 

Da der Mensch als Einheit aus Leib und Seele gesündigt hat, soll er nach der Gerechtigkeit Gottes auch als Einheit aus Leib und Seele die Konsequenzen tragen.

 

 

 

1. Passibilität (Leidensfähigkeit)

 

Im Gegensatz zur Impassibilitas der Erlösten sind die Leiber der Verdammten extrem leidensfähig.

 

Beschreibung: Sie sind unsterblich, damit sie die Qualen der Hölle ewig ertragen können, ohne daran zu zugrunde zu gehen. Der Tod, der im irdischen Leben das Ende des Leidens bedeutet, existiert nicht mehr.

 

Technische Realität: Eine physische Existenz, die für den Schmerz optimiert ist, ohne jemals durch Abnutzung oder Tod Erlösung zu finden.

 

 

 

2. Dunkelheit und Hässlichkeit (Obscuritas)

 

Das Gegenstück zur Claritas.

 

Beschreibung: Die Leiber der Verdammten besitzen keinen Glanz. Sie werden als finster, entstellt und abstoßend beschrieben. Die Hässlichkeit des Leibes ist der äußere Ausdruck der moralischen Verwerflichkeit der Seele.

 

Wirkung: Sie strahlen keine Herrlichkeit aus, sondern spiegeln die „äußerste Finsternis“ wider, von der das Evangelium spricht.

 

 

 

3. Schwere und Trägheit (Hebetudo)

 

Das Gegenstück zur Agilitas.

 

Beschreibung: Der Leib ist massiv, schwer und unbeweglich. Er ist der Seele eine Last. Während die Erlösten sich mühelos bewegen, sind die Verdammten in ihrer Bewegung eingeschränkt oder gar fixiert (oft symbolisch als „Fesselung“ beschrieben).

 

Wirkung: Absolute Passivität und das Gefühl des Eingesperrtseins im eigenen Körper.

 

 

 

4. Dichte und Grobheit

 

Das Gegenstück zur Subtilitas.

 

Beschreibung: Die Körper sind „grob“ und können keine Materie durchdringen. Sie sind den physikalischen Qualen (wie dem „höllischen Feuer“) voll ausgesetzt.

 

Wirkung: Die Sinne bleiben erhalten, aber nur, um Unlust und Qual zu registrieren (z. B. der „Gestank“ der Sünde oder das „Heulen und Zähneklappern“).

 

 

 

Vergleich der Auferstehungsleiber

Merkmal: Leiden

 

Verklärter Leib (Himmel): Unfähig zu leiden (Impassibilitas)

Leib der Verdammten (Hölle): Maximale Leidensfähigkeit

 

Merkmal: Licht

 

Verklärter Leib (Himmel): Strahlender Glanz (Claritas)

Leib der Verdammten (Hölle): Finsternis und Hässlichkeit

 

Merkmal: Bewegung

 

Verklärter Leib (Himmel): Übernatürliche Behendigkeit (Agilitas)

Leib der Verdammten (Hölle): Lähmende Schwere

 

Merkmal: Materie

 

Verklärter Leib (Himmel): Geistige Feinheit (Subtilitas)

Leib der Verdammten (Hölle): Grobe Materie

 

 

 

Wie sah das Jenseits vor dem vollendeten Opfer von Jesus Christus aus?

 

Abrahams Schoß und die Erlösung durch Jesus Christus

 

Vor Christus war das Jenseits wie folgt aufgeteilt: Abrahams Schoß für Gerechte, Gehenna für Böse.

 

Während Abrahams Schoß seinen Zweck erfüllt hat und „leer“ ist, ist die Gehenna nach wie vor gegenwärtig und wird quasi mit dem Begriff Hölle gleichgesetzt.

 

Während Gehenna der biblisch-typologische Begriff für die Hölle der Verdammten, der die Strafe (das „Feuer“) betont, ist der Begriff Hölle der allgemeine dogmatische Begriff für den Zustand der ewigen Trennung von Gott.

Der Begriff „Abrahams Schoß“ (lat. sinus Abrahae) stammt aus Lk 16,22–23: Der Arme Lazarus wird von Engeln „in den Schoß Abrahams“ getragen, während der Reiche in der Folter (Gehenna) schmachtet. Diese beiden Orte sind durch einen unüberbrückbaren Abgrund voneinander getrennt.

 

Dieses „allgemeine“ Totenreich, welches Abrahams Schoß und die Gehenna gleichermaßen umfasst und der jüdischen Tradition entspringt, wird mit den Worten Scheol (hebräisch); Hades (griechisch); oder Infernus (lateinisch) bezeichnet. Traditionell werden diese beiden Bereiche des Totenreiches nicht vertikal getrennt wie wir heutzutage den Himmel als „oben“ und die Hölle als „unten“ sehen würden.

 

Die bildliche Trennung verlief horizontal, also nebeneinander, denn der Schoß Abrahams und die Gehenna waren getrennt durch den unüberwindlichen Abgrund.

 

Abrahams Schoß war eine Zone der Ruhe und Seligkeit, jedoch war es kein vollendeter Himmel mit Gottesanschauung, sondern ein wartender Frieden bei Abraham, dem „Vater der Gläubigen“ (Röm 4,16).

 

Denn vor dem Kreuzestod Jesu war der Zugang zum Himmel durch die Sünde Adams verschlossen. Die Seelen der Gerechten des Alten Bundes – wie beispielsweise Abraham, Isaak, Jakob und die Propheten– lebten sehnsüchtig im „sinus Abrahae“ in der Hoffnung auf den verheißenen Messias, der die Fesseln des Todes sprengen und die Versöhnung mit dem Vater herbeiführen würde.

 

Es war ein Zustand der „vorläufigen Gerechtigkeit“, der auf seine Vollendung wartete, wie der ganze alte Bund Gottes mit den Menschen.

 

Dieses Warten kann als ein Prozess der Reinigung, also in gewisser Weise als eine Art „Vorläufer“ des Fegefeuers, welches erst nach dem Auftreten von Christus existiert, interpretiert werden.

 

Die Vollendung geschah durch das Pascha-Mysterium: das Leiden, Sterben und die Auferstehung Jesu Christi. In der christlichen Ikonographie und Theologie ist der „Abstieg Christi in das Reich der Toten“ (Karsamstag) ein zentrales Ereignis.

 

Christus stieg als Sieger in diese Unterwelt hinab, um den Gerechten in Abrahams Schoß die frohe Botschaft zu bringen und ihnen die Pforten des Himmels zu öffnen. Wohlgemerkt: Jesus stieg nicht in die Gehenna (Hölle, Aufenthaltsort der Verdammten) hinab! Sondern nur in den Teil des Totenreiches, in dem die Gerechten waren, die durch den unüberwindbaren Abgrund von den Verdammten getrennt waren. Er nahm sie an der Hand und führte sie aus der Finsternis herauf.

 

Damit ist Jesus Christus der einzige Weg zum Vater. Seine Erlösung ist ein kosmisches Ereignis: Er hat die Schuld der gesamten Menschheit auf sich genommen und am Holz des Kreuzes getilgt. Er ist das „Lamm Gottes“, das die Sünden der Welt hinwegnimmt und die ursprüngliche Harmonie zwischen Schöpfer und Geschöpf wiederherstellt, die durch den Sündenfall zerbrochen war.

 

 

Zusammenfassung

Der Himmel ist ewige Gemeinschaft mit Gott, wohingegen die Hölle die ewige Trennung von Gott ist.

 

Das Fegefeuer ist reinigende Liebe, aber auch eine schmerzliche, aber notwendige Vorbereitung auf den Himmel im Angesicht der eigenen Schuld. Das Fegefeuer führt immer in den Himmel, nie in die Hölle. Die Intensität des Fegefeuers für die Seelen ist unterschiedlich und richtet sich nach Art und Schwere der Sünden.

 

Auch die individuelle Dauer ist unterschiedlich, wobei ergänzt werden muss, dass die Seelen nach dem Tod in die Aeviternität (eine Form der Zeitlichkeit zwischen Zeit und Ewigkeit) eintreten und unsere irdischen Begriffe für Zeit dort nicht direkt anwendbar sind. Die Auferstehung des Fleisches markiert den spätesten Zeitpunkt für das Verlassen des Fegefeuers für alle Seelen.

 

Bei der künftigen Auferstehung des Fleisches werden die Seelen der Menschen wieder einen Körper besitzen, der an ihrem ewigen Schicksal Anteil hat.

 

Abrahams Schoß war der Übergang bis zur vollen Erlösung durch Christus. Mit der Gehenna, dem Aufenthaltsort der Verdammten (heute als Hölle bezeichnet), bildete Abrahams Schoß das Totenreich zu Zeiten des alten Testaments. Dieses Totenreich wurde auch als Scheol,Hades oder Infernus bezeichnet.